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In 3 Bewertung(en) wurden durchschnittlich 3.5 von 5.0 Punkten vergeben.
Nachfolgend die neuesten Bewertungen:
Die Blaue StundeBewertung 2 von 5.0 Punkten vom 10.02.2010- 360 Seiten über das Leben eines Pathologen in Manila. Max. 30 Seiten über die Vater-Tochter-Beziehung. Nichts über die Zeit im Gefängnis, immerhin 16 Jahre seines Lebens. Der Klappentext führt in die Irre.
Vater-Tochter-Geschichte ???
Großartig ????
Unaufgeklärte Morde. Zum Tode führenden Organentnahme. Anspielungen, die nicht aufgelöst werden. Polizei tappt und bleibt im Dunkeln. Das ist einfach unbefriedigend. Kein Handlungsstrang, nur mühsam verknotete Fäden. Nichts als Knoten. grosser Erzähler eigentümlicher Geschichten an sonderbaren OrtenBewertung 4 von 5.0 Punkten vom 12.10.2009- In den 1930-ger Jahren ist die kinderlose, unglücklich verheiratete Kay eine Architektin, deren künstlerische Ambitionen gerade wieder gründlich missverstanden werden als ein fremder alter Mann sie aufsucht und vorgibt ihr Vater zu sein. Obwohl zunächst nichts dafür spricht, dass er die Wahrheit sagt, lässt sie sich auf seine Geschichte, die sie auf die Philippinen zu Beginn des 20.sten Jahrhunderts führt, ein. Die Lebensgeschichte des berühmtesten Chirurgen der Philippinen Dr. Carriscant spielt sich vor dem Hintergrund des verlustreichen philippinisch-amerikanischen Krieges im schwülen, von Intrigen, Neid und Missgunst geprägten kolonialen Tropenklima ab. Unverschuldet gerät er, der sich wider aller gesellschaftlicher Konventionen in eine Amerikanerin verliebte, in langjährige Haft. Nach der Entlassung ist er ein alter Mann, der seinen Lebenskreis schliessen möchte und dafür die Hilfe seiner Tochter benötigt...
Die Begegnung Kays mit ihrem Vater und ihre gemeinsame Reise in die Vergangenheit bilden den spannungsreichen Rahmen um die Schilderung der Lebensumstände, die um 1900 auf den Philippinen herrschten. Blut und Schweiss, Liebe und Leid, tropische Hitze und menschliche Eiseskälte nehmen den Leser gefangen, fasst meint man, die Gerüche und Geräusche, die Hitze selber zu spüren und nach der Lektüre eine Dusche zu benötigen. Boyd variiert erneut sein Motiv des Europäers, den es in die Ferne treibt, dort als Expatriate lebt, liebt, leidet und am Ende scheitert; wie immer wirken seine Geschichten etwas konstruiert, doch bleibt Boyd ein grosser Erzähler eigentümlicher Geschichten an sonderbaren Orten. Ein Schmerz ungelebten Lebens...Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 17.08.2009- Von der Geschichte einer jungen Architektin in den Dreißiger Jahren, der Geschichte einer Kolonie, ihrer Beherrscher und Befreier, der Geschichte der Tropen, jener medizinischer und technischer Neuerungen des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts, in erster Linie jedoch der einer heißblütigen Liebe erzählt dieser Roman - nicht von Mörderjagd oder Haft in philippinischen Gefängnissen!
Als Sohn eines schottischen Bauingenieurs und einer Philippinin verlässt Salvador Carriscant die Philippinen, um in Europa Medizin zu studieren und als Chirurg mit den neuesten Techniken und Errungenschaften zurück zu kehren und die Chirurgie auf den Philippinen zu revolutionieren. Er wird eine jungen Frau mit deutschen Wurzeln heiraten und vorerst kinderlos bleiben. Sein medizinischer Ehrgeiz, seine Ambitionen und sein Selbstvertrauen verschaffen ihm sowohl wahre Freunde als auch Widersacher, Neider und Feinde - vornehmlich aus den eigenen Reihen. Als er sich in eine junge, verheiratete Amerikanerin verliebt, beginnt mit seinem größten Glück sein ganzes Unglück. 1936 aus dem philippinischen Gefängnis entlassen, begibt er sich auf die Suche nach seiner Tochter, mit der gemeinsam er nach Portugal reisen wird, um seiner Geliebte erneut zu begegnen.
Sehr breit ist der Spannungsbogen dieses Romans - er platzt mitten ins Leben der Architektin Kay, die sich augenblicklich in allen Lebenslagen betrogen und verlassen fühlt mit dem Brief eines Fremden, der behauptet ihr Vater zu sein - der mit einigen "Vorgriffen auf Vergangenes" auf der Reise nach Lissabon ausholt, um die Lebens-, Erfolgs- und Liebesgeschichte des Dr. Carriscant zwischen 1902 und 1904 zu erzählen. Am Ende angelangt bleibt das Abendrot eines begangenen Tages, der ohne die Zukunft zu beeinflussen, die Vergangenheit geändert hat.
Überaus spannend erzählt Boyd die beiden aufeinander prallenden Handlungsstränge und bringt in jede Zeit ihr ganz ureigenes Charisma. Die Bandbreite an unterschiedlichsten Stimmungen und sehr stark ausgeprägten Charakteren hat mich ebenso beeindruckt wie die Vielfalt an verschiedenen Themen, die (soweit ich das als Laie beurteilen kann) gut recherchiert und vor allem überaus mitreißend erzählt sind. Gerade die Geschichte des Dr. Carriscant versprüht so viele Nuancen an Lebensmut und Energie ohne dabei einen unfehlbaren Helden zu erschaffen - großartig!
Herausragende Erzählkunst, ein wenig melancholisch, bestimmt jedoch abgeklärt durch ein ganzes Leben!
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