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Ein Philosoph wählt Werke aus seiner Zunft.Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 15.01.2008- Hans-Georg Gadamer (11. Februar 1900 in Marburg; 13. März 2002 in Heidelberg) war ein deutscher Philosoph, der durch sein 1960 die philosophische Hermeneutik begründendes Werk "Wahrheit und Methode" über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Gadamers Lehrer war Martin Heidegger.
Anlässlich Gadamers 100. Geburtstages hielt Rüdiger Bubner eine Rede, beginnend mit einer wichtigen Stelle aus Platons Gastmal. In Diotimas Rede spricht Platon von einem großen Daimon, der zwischen Gott und den Sterblichen ist. Dieser Daimon ist ein Mittler, wie er ausführt und dessen Verdolmetschen zwischen zwei Ebenen (Gott und Mensch) heisst "hermeneuein". Aus diesem Wort hat Gadamer eine ganze Weltanschauung und Lebensführung gemacht, so berichtet Bubner und der Leser wird wissen, dass die Hermeneutik die Kunst des Übertragens, des Verdolmetschen ist. Und so schickte sich Gadamer an, auszuwählen für den interessierten Leser, was den Kern der Philosophie ausmacht, nicht in ihrer zentralen Aussage, vielmehr in ihrem psycho-historischen Kontext. Ein philosophisches Lesebuch legt er vor, beginnend mit den Vorsokratikern, man lernt Parmenides und Heraklit kennen, Empedokles, Demokrit und Leukipp, kommt zu Sokrates, Platon und Aristoteles. Die Schulen der Stoa, die Epikureer und den ersten Band beenden Sie mit dem Wissen vom Einfluss der Griechen auf die römische Seite. Lukrez, Cicero und Boethius bis zu Plotin begegnen ihnen in Ihren Gedanken. Das Mittelalter beginnt bei Augustinus und endet an der Mosel, wenn man will, bei Cusanus aus Kues.
Die Neuzeit strahlt aus Band 2, Kopernikus, Keppler und Gallilei veränderten die Welt soweit möglich. Bruno, Descartes führten zum Dualismus, Spinozas Sittenlehre im Pantheismus sorgte für Diskussion im religösen Sinne. Diese Diskussion griff Lessing auf und Kant schliesslich galt als Alleszermalmer dieser Welt. Die reine Vernunft schied sich von der praktischen.
Doch die Romantik erinnerte sich an Spinoza, schaffte mit dem Idealismus und Fichte das innere Ich hervor und führte mit Hegel in die Phänomenologie des Geistes. Doch die Aufständischen gegen die allgemeine Weltanschauung forderten ihren Platz. Feuerbach und Marx zogen den Idealismus in die Realität der neuen Gesellschaft. Kierkegaard, Schopenhauer und Nietzsche forderten aus der Angst mit Hilfe von Wille und Vorstellung eine Welt, die Nietzsche als wahre Welt zur Fabel erklärte. Neukantianer und Pragmatiker folgten und ihnen die Positivsten bis das Sein erneut zur Frage in der Zeit wurde. Heidegger beendet den Reigen, den Gadamer fortsetzt, doch nicht als Lesebuch, sondern in eigenen Schriften.
Ein Galopp durch 2500 Jahre, Gadamer hat 4% davon gelebt, ein seltener Fall, aber einer mit Nachhaltigkeit. Sehr zu empfehlen.
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