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Die Zugänglichkeit des original UnzugänglichenBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 03.01.2007- Diese paradoxe Bestimmung des Fremden, die eher einer Umschreibung als einer Definition gleichkommt, stammt von Husserl. Sehr stark an Husserl angelehnt (natürlich, es geht schließlich um Phänomenologie...), versucht Waldenfels eine Annäherung an das Fremde. Entscheidend dabei ist u.a., dass das Fremde nicht nur toleriert, sondern zur Voraussetzung für das Eigene wird.
Im vorliegenden ersten Teil seiner "Studien zur Phänomenologie des Fremden", stehen vor allem gesellschaftliche und politische Fragen im Mittelpunkt. Der zweite Teil, "Grenzen der Normalisierung" erörtert vorwiegend psychologische und erkenntnistheoretische Aspekte, der dritte Teil der Studien, "Sinnesschwellen" nimmt vor allem Bezug auf ästhetische Fragestellungen.
Entscheidend für Waldenfels" Fremdheitsstudien ist die Grundannahme, dass das Fremde primär von Orten des Fremden her zu denken ist, als "ein Anderswo und als ein Außer-ordentliches, das keinen angestammten Platz hat und sich der Einordnung entzieht." (S.12)
Sehr gut finde ich Waldenfels' Exaktheit. Während in vielen anderen Arbeiten zum Thema (allen voran Julia Kristeva) das Fremde relativ diffus bleibt und über weite Strecken ein soziologischer Fremdheitsbegriff regiert, orientiert sich Waldenfels vor allem an Husserl, der die Fremdheit durch die Art ihrer Zugänglichkeit bestimmt. Unablösbar damit verbunden ist eine gewisse Örtlichkeit (deshalb: Topographie).
Die grobe Gliederung des Inhaltes sieht folgendermaßen aus:
Erkundungen des Fremden
Fremderfahrungen und Fremdanspruch
Lebenswelt zwischen Alltäglichem und Unalltäglichem
Verschränkung von Heimwelt und Fremdwelt
Phänomenologie als Xenologie. Das Paradox einer Wissenschaft vom Fremden
Der Anspruch des Fremden und die Rolle des Dritten. Interkulturelle Diskurse
Europa angesichts des Fremden
Nationalismus als Surrogat
Das Ganze, das Normale und das Fremde. Wissenschafts- und Gesellschaftskritik nach Husserl und Marx
Fremdorte
Fazit: Wer sich auf philosophischer Ebene mit Fremdheit auseinandersetzen möchte, findet bei Waldenfels eine ungeheure Vielfalt an fruchtbaren Gedanken. Ein extrem gehaltvoller Text! Sehr zu empfehlen.
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