| Meinungen zum Buch: |
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In 2 Bewertung(en) wurden durchschnittlich 4.5 von 5.0 Punkten vergeben.
Nachfolgend die neuesten Bewertungen:
Keine einfache Überblicksdarstellung der AufklärungBewertung 4 von 5.0 Punkten vom 11.04.2010- Der Leser bekommt in Reinhart Kosellecks leicht überarbeiteter Dissertationsschrift (1954) sehr viel mehr geboten als einen bloßen historischen Überblick über die Zeitspanne von der Reformation bis zur Französischen Revolution. Am Beispiel altbekannter geistesgeschichtlicher Größen wie Hobbes, Locke und Rousseau, aber auch unter Einbeziehung von neu aufkommenden bürgerlichen Gruppierungen wie der Freimauerei, die hinreichend differenziert und auf der Grundlage fundierter Kenntnisse dargestellt werden, zeichnet der Autor die Geburt der Moderne aus dem Schoße der absolutistischen Strukturen Europas nach. Die Aufklärung wird dabei als ein dialektischer Prozess eben von "Kritik und Krise" dargestellt. Die neue bürgerliche Öffentlichkeit merkt scheinbar fast bis zuletzt nicht, wie ihre wachsenden, vermeintlich unpolitischen Ansprüche sich langsam nicht mehr mit den bestehenden staatlichen Verhältnissen vereinbaren lassen. Die offene Forderung nach Revolution erscheint als eine Art Druckablass, der die geistigen Protagonisten selbst überraschen musste.
Damit wird dem Leser aber auch ein äußerst kritischer Blick auf Kosellecks Ansatz abverlangt. Zu selten wird auf ländersprezifische Eigenheiten, auf vorkommende Ungleichzeitigkeiten in der Entwicklung eines "aufklärerischen Bewusstseins" hingewiesen. Auch die Desavouierung der Geschichtsphilosophie als einer bloßen politischen Waffe kommt dem Autor an einigen Stellen etwas zu gelegen. Diese "Pathogenese der bürgerlichen Welt" ist von jenem konservativen Pessimismus geprägt, der auch einen Carl Schmitt auszeichnete - sein Einfluss wird im Vorwort zur ersten Auflage, das in der vorliegenden Ausgabe ebenfalls abgedruckt ist, von Koselleck ausdrücklich mit Dank bedacht.
Insgesamt ein wirklich lesenswertes Buch, das unterhaltsam ist und zugleich von Gelehrsamkeit zeugt. Auch wenn wir am Ende erfahren müssen, dass die (manchmal tatsächlich zu einfach) gepriesene Aufklärung eigentlich nur "Bürgerkrieg" bedeutet, "unter dessen Gesetz wir noch heute leben".
hervorragende Darstellung einer geistesgeschichtlichen EpochBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 07.07.2001- Reinhart Koselleck hat mit dieser kurzen Dissertation die wohl überzeugendste Darstellung einer geistesgeschichtlichen Epoche geliefert. Nach den Konfessionskriegen wird der säkularisierte absolutistische Staat etabliert, dessen Idee Koselleck vor allem bei Hobbes findet. Schließlich zeigt er überzeugend, wie der absolutischtische Staat, trotz, oder besser gerade wegen der geschaffenen Standesgrenzen, sich seiner Krise, seinem Ende zuneigt. Denn die Bürger empfinden sich als egalitär, da sie, unabhängig von den Standesgrenzen, von der politischen Gestaltung ausgeschlossen bleiben. Damit steht der Spannungsbogen von Kritik und Krise in einen überzeugend dargestellten Sinnhorizont. Anzumerken bleibt: Kosellecks Stil läßt erkennen, daß er in Bielefeld lehrt.
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