| Meinungen zum Buch: |
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In 26 Bewertung(en) wurden durchschnittlich 4.5 von 5.0 Punkten vergeben.
Nachfolgend die neuesten Bewertungen:
Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gutBewertung 3 von 5.0 Punkten vom 19.06.2010- Konrad Paul Liessmann kritisiert in diesem Essay den grassierenden Reform- und Ökonomisierungswahn der sogenannten "Wissensgesellschaft" und das mit Recht. Eine wirkliche Alternative bietet er zwar auch nicht, was bei einer im Klappentext angekündigten Polemik aber auch nicht umbedingt zu erwarten ist.
Der larmoyante Ton macht es dann allerdings sehr schwierig, die ganzen 175 Seiten des Buches durchzuhalten. Liessmann ist in der Sache sicher an vielen Stellen Recht zu geben, der etwas langatmige Ton und professorale Habitus regt aber leider weniger zum Denken an, als es der Autor wahrscheinlich erhofft. Eine Streitschrift wider den ZeitgeistBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 15.04.2010- Konrad Paul Liessmann setzt sich kritisch mit der Wissensgesellschaft und dem Reformeifer im Bildungsbereich auseinander. Er provoziert mit der Aussage, dass Unbildung die notwendige Konsequenz der Kapitalisierung des Geistes sei. Wie ist es heute um die Bildung bestellt? Findet der Wechsel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft statt?
Im ersten Kapitel verdeutlicht der Autor den Unterschied zwischen lexikalischem Wissen und einem tiefgehenden Wissen um Zusammenhänge. Wenn es um Sinn, Bedeutung oder Zusammenhänge geht, so seine Erkenntnis, wird lexikalisches Wissen nicht weiterhelfen. Ist im Zeitalter einfacher Internetabfragen tiefgehendes Wissen noch erforderlich, um gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftlichen Erfolg verbuchen zu können?
Was hartnäckig Bildung genannt wird, orientiert sich an knallharten Wirtschaftsfaktoren, die jene Standards definieren, die der "Gebildete" erreichen soll. Unter dieser Prämisse erscheinen Allgemein- und Persönlichkeitsbildung verzichtbar. In einer sich rasch wandelnden Welt scheint der Verzicht auf verbindliche geistige Traditionen zu einer Tugend geworden zu sein.
Die Konkurrenz zwischen Bildungseinrichtungen spielte sich bislang zwischen unterschiedlichen Weltdeutungen, Methoden und Modellen ab und zwar als Konkurrenz um Zugänge zur Wahrheit. Im Gegensatz dazu führt das betriebswirtschaftliche Ranglistendenken zu einer Gleichschaltung der Strukturen und letztlich der Kulturen.
Das Wissensmanagement agiert wie ein Betrieb und der Wissensmanager versucht, unabhängig von Wahrheits- und Geltungsfragen, herauszufinden, welche Art von Wissen sein Unternehmen zur Lösung seiner Probleme benötigt. Dass Universitäten, die über eine tausendjährige Erfahrung im Umgang mit Wissen verfügen, sich in ihrer Umstrukturierung an solchen Unternehmensideologien orientieren, hält der Autor für Dummheit.
Es ist Liessmann gelungen, gezielt zu provozieren. Aber ich vermisse konstruktive Antworten auf die Zukunftsfragen der Bildungssysteme. Das Buch enthält zahlreiche Thesen gegen den allgemeinen Trend, liefert aber keine abschließenden Antworten. Dennoch handelt es sich um eine lesenswerte Diskussionsgrundlage.
PolemikBewertung 3 von 5.0 Punkten vom 22.07.2009- Liessmanns Buch ist laut Klappentext eine "furiose, hochintelligente Polemik..." - dem kann ich zustimmen, und in meiner Reaktion darauf auch etwas polemisieren.
Liessmann ist unter anderem für: die Kultur der alten Griechen, Humboldt, Aufklärung, Humanismus und die "geistige Durchdringung der Welt" nach Hegel (was immer das sein mag). Zitat: "Humanistische Bildung - und eine andere gibt es nicht..."! (S. 57)
Er ist unter anderem gegen: Rankings/PISA, Eliteinstitutionen, Drittmittel, Projektorientierung, Englisch als Wissenschaftssprache, Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Vernetzungen, Computer an Schulen und an Universitäten (besonders Powerpointpräsentationen), den Bologna-Prozess, besondere Förderung von Frauen in den Wissenschaften, die neue deutsche Rechtschreibung - eigentlich gegen alle Reformen, und die Ökonomisierung der Wissenschaftsbetriebs.
Meine Meinung: Ich stimme mancher Kritik Liessmanns zu, allem voran der Kritik an der Übermächtigkeit der Wirtschaft - abgekürzt: Zahlen sind die höchsten Werte, vor allem prozentuelle Steigerungen und Profite. Hier sehe ich mit Liessmann und hoffentlich mittlerweile mit Millionen anderen einen echten Werteverlust.
Ich war von seinem Buch aber insofern enttäuscht als dass es bei der Polemik bleibt und keine wirklichen Lösungen angeboten werden. Nur die alten Griechen und kreatives "zweckfreies" Denken bzw. "die beste Reform ist keine Reform" sollen uns helfen, unsere Probleme zu bewältigen?
Ich finde auch, dass Liessmann - bei allem Respekt für den österreichischen Wissenschaftler des Jahres 2006 - zu oft widersprüchlich ist: Eines der wichtigsten Beispiele: Die Wissensgesellschaft missachte ihr "vermeintlich höchstes Gut" (S. 144) durch Beseitigung von veraltetem Wissen und Abwerfen von unnötigem Wissensballast. Wissen ist also für Liessmann sehr wertvoll. Ein paar Zeilen weiter stellt er aber in Frage, "ob Wissen überhaupt ein Kandidat für ethische Reflexionen sein kann" (also einen Wert darstellt). Abgesehen davon muss es wohl erlaubt sein, über die Auswahl von Wissen, besonders in der Lehre, zu diskutieren. Hier widerspricht er sich auch wieder, da er ganz heftig einen Kanon von - offenbar besonders wertvollem - Wissen fordert.
Oder: In der Wissensgesellschaft würde die Beziehung von Wissen zur Wahrheit gekappt (S. 149), statt um Erkenntnis gehe es nur um die Lösung von Problemen. Mein Gegenargument: Wenn Beschreibungen von Zusammenhängen (Wissen) zur Lösung von Problemen beitragen, dann haben sie Wahrheitsgehalt. Die absolute Wahrheit bleibt ohnehin nur ein Ideal.
Oder, worüber ich schmunzeln musste: Die Wissenschaftler sprechen in ihrem Fachenglisch nur mehr einander, also Eliten und nicht das gemeine Volk an, und seien daher antiaufklärerisch (S. 138 f.) - aber Hegel war ein Wissenschaftler für das gemeine Volk!? - Sehr witzig.
Auch bei der alten deutschen Rechtschreibung" übertreibt er es ein bisschen - Mißverhältniß" (sic!). Na ja, in einer Polemik sei diese Anmerkung erlaubt, Fehler machen doch nur menschlich.
Das Buch war durchaus unterhaltsam zu lesen, aber ich hätte mir gerade in Anbetracht von Liessmanns Anspruch auf Rationalität als Philosoph mehr Folgerichtigkeit, Klarheit und Struktur erwartet. Ich halte durchaus etwas von Rückbesinnung und von Nachdenken in Muße, aber Bildung nach dem Muster humanistischer Gymnasien als einziges Mittel der Autonomie der Menschen, ja der Rettung des Abendlandes darzustellen - da kann ich nicht folgen. Liessmanns Position ist eine klare Ablehnung des Pluralismus (das könnte gefährlich werden!), aber gleichzeitig will er kreative Freidenker, die unsere Probleme lösen können - vielleicht der größte Widerspruch in der Theorie der Unbildung". Nicht so spannendBewertung 2 von 5.0 Punkten vom 13.05.2009- Also ich hab mir das Buch schon vor einer ganzen Weile zugelegt und bestimmt schon 3x angefangen zu lesen.
Richtig gefesselt oder auch nur zum Weiterlesen animiert, hat es mich bis heute nicht.
Hilfloser Zorn als Abgesang auf ein durch Unbildung erodiertes einst vorbildliches System.Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 29.03.2009- Der Inhalt in aller Kürze: tiefgründige Forschung und "Bildung" - im ursprünglichen Wortsinne - drohen verloren zu gehen, weil die moderne Bildungspolitik ein altes Bildungskonzept zu verbessern strebt, dessen Grundlagen sie nicht mehr kennt, da sie selbst die grundlegenden Texte des Humanismus und des deutschen Idealismus nicht mehr gelesen hat und deshalb, bar jeder echten Bildung und in Unkenntnis des zu Verbessernden, das Gute am Alten nicht bewahren kann, und - aus mangelnder eigener philosophischer Tiefe und Sorgfalt auch kein gleichwertiges oder besseres Bildungkonzept zu entwerfen vermag.
Eine solche Verschlimmbesserei und Pfusch an den Grundlagen unserer Gesellschaft muss gerade einen Denker wie Liessmann zur Verzweiflung treiben, der eben, anders als die Mehrheit unserer Gesellschaft, die unserem alten Bildungskonzept zugrundeliegende Philosophie noch kennt und gründlich studiert hat. Sein in der Verzweiflung oft ohnmächtig wirkender Zorn entlädt sich auf 175 Seiten dieser Streitschrift, die weniger die "Irrtümer der Wissensgesellschaft" aufzeigt als in bisweilen wie gelähmtem Entsetzen bloß noch zu konstatieren, dass die Fundamente unseres Bildungsideals bereits so erodiert sind, dass selbst unsere in den universitären Verwaltungen tätigen Hochschullehrer sich von den bunt schillernden Sprechblasen der "Globalen Wissensgesellschaft" ohne jede kritische Gegenwehr mesmerisieren lassen.
Liessmanns Streitschrift kommt leider zwei oder drei (oder vier?) Jahrzehnte zu spät, wird ohnehin nicht viel zur "öffentlichen" "Debatte" (wo gibt es noch "öffentliche Debatten" - in der Leserbriefsparte des "Spiegel" oder in einem von eintausenddickmilch Blogs?) beitragen, eignet sich aber hervorragend, um sich von ihr ausgehend in das einzulesen, was mal das humanistische Bildungsideal war - die Fussnoten geben da die eine oder andere Anregung.
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