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Über "Humanismus" und Metaphysik hinausgehen!Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 03.08.2008- Freunde des Humanismus oder dessen, was sie landläufig dafür halten, werden ebenso belehrt wie Gottsucher und metaphysische Sehnsüchtler, denn Heidegger fasst in dieser pägnanten Schrift noch einmal zusammen, was er mit "ekstatischer Ek-sistenz" meint: das Leben aus dem Sein heraus oder eher noch die wie auch immer sich herstellende Beziehung zum Sein, das den Menschen in die Ek-sistenz des Daseins schickt. Das ist mindestens gewendeter Sartre. Wer "Sein und Zeit" gelesen und verstanden hat, dem liefert Heidegger hier noch einmal den Spickzettel zu seinem Grundverständnis eines Lebens aus dem Sein, anstatt nur aus dem beengten Seienden heraus. Die ontologische Differenz dazwischen ist dem Meister stets wichtig. Metaphysik, die den Menschen von der animalitas her denkt, greift für Heidegger ebenso zu kurz wie der abendländisch befeierte Humanismus, der "die eigentliche Würde des Menschen noch nicht erfährt", weil er "die Humanitas des Menschen nicht hoch genug ansetzt." Die liegt im Sein, über das der Leser sich mit Heideggers Aufzeigungen dann doch streng denkend oder im philosophischen Sinne mystisch befassen muss. Oder er verlässt sich darauf: "Der Mensch ist vielmehr vom Sein selbst in die Wahrheit des Seins geworfen, dass er, dergestalt ek-sistierend, die Wahrheit des Seins hüte, damit im Lichte des Seins das Seiende als das Seiende, das es ist, erscheine. Ob es und wie es erscheint, ob und wie der Gott und die Götter, die Geschichte und die Natur in die Lichtung des Seins hereinkommen, an- und abwesen, entscheidet nicht der Mensch. Die Ankunft des Seienden beruht im Geschick des Seins." Was das Sein nun im Verhältnis zum Seienden und zur Ek-sistenz ist, darum ringt Heideggers Sprache, die er selbst als "Haus des Seins" ansieht wie den Menschen als dessen Hirten. - Heideggers Denken bedarf, wenn es genossen werden will, der stillen Vertiefung des Lesers und der Präzision der Begriffe. Wer sich gründlich darauf einlässt, setzt neue Prioritäten und entfernt sich vom Klimbim alltäglichen Hickhacks, sieht die übergreifenden Zusammenhänge und vollzieht vielleicht nach, warum in der Seinsvergessenheit ein Verfall gründet, der die Kontur des Menschen und seiner problematischen Werke im Uneigentlichen verschwimmen lässt. Weit über die ontologischen und existenzphilosophischen Themen hinausgreifend, aber immer von dort herkommend, zeigt Heidegger Bezüge zur Dichtung Hölderlins, zum Begriff der Heimat, zu Materialismus und Marxismus auf. Für intellektuell belastbare Leser mit der Geduld, Heideggers philosophischem Rinngen ums Wort zu folgen, kann das schmale Bändchen in seiner konservativ schlichten Aufmachung zum Augenöffner werden!
Worthülsen, hinweg !Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 04.11.2004- Es ist wahr: Bestimmte Begriffe, so der des Humanismus, sind nicht kaputt zu kriegen. Wenn ihre Verwendung und ihr Bedeutungsinhalt auch von Zeit zu Zeit verblassen, irgendwann fühlt sich irgendwer aufgerufen, diese Wörter zurück in die Diskussion zu bringen. So geschah es dem (vor dem 2. Weltkrieg) wohlklingenden Wort "Humanismus". Nun ist durch die allseits bekannten Greueltaten des 3. Reiches eine "Insel der menschlichen Werte", die auch von den Nazis als "humanistisch" bezeichnet wurde, generell verdächtig, ein Unbegriff zu sein. Das wird der erste Grund gewesen sein, daß Heidegger sich 1947 scharf gegen diesen Begriff, der immerhin nichts weniger als die conditio humana ausdrücken sollte, gewandt hat. Allerdings wäre da noch mindestens ein zweiter Grund: und dieser ist J.P. Sartres Auseinandersetzung mit Husserl und Heidegger in "Der Existentialismus ist ein Humanismus" und "Das Sein und das Nichts": Den Existentialismus, der stark an Heideggers Thesen aus "Sein und Zeit" angelehnt ist, hielt Heidegger für ein Missverständnis, welches er nicht mitmachen konnte; er sah sich daher genötigt, seine Ansichten über das Menschenwesen, wie er es dachte, in Form dieser Streitschrift dar- und klarzulegen.
Dabei wird klar: Die Schlüsse, die er zieht, sind mit den Leitthesen des Humanismus, sowie des Existentialismus, wie auch dem eines "animale rationale" unvereinbar; schon der erste Satz des Textes sagt es klar:"Wir bedenken die Dinge nicht entschieden genug." Eine SyntheseBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 03.10.2000- Durch den umstrittenen Aufsatz von Peter Sloterdijk "Regeln für den Menschenpark" wieder neu in die Aufmerksamkeit gerückt, ist Martin Heideggers Brief "Über den Humanismus" eine überaktuelle Lektüre. Er macht vertraut mit den Heidegger eigenen Begriffen, mit seinem philosophischen Hauptanliegen, dem Denken des Seins, und resümiert die Überlegungen des Autors in eine Synthese, die den Menschen auf eine neue Grundlage als ek-sistent in der Lichtung des Seins stellt. Der Text ist von überzeitlicher Bedeutung. Dass er jetzt schon über fünfzig Jahre alt ist, nimmt ihm nichts von seiner Brisanz.
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