| Meinungen zum Buch: |
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In 10 Bewertung(en) wurden durchschnittlich 3.5 von 5.0 Punkten vergeben.
Nachfolgend die neuesten Bewertungen:
Brauchbare Einführung in die Verflechtung von Chaos und Ordnung...Bewertung 4 von 5.0 Punkten vom 30.06.2010- Das Buch ist ja schon etwas in die Jahre gekommen. Ich las es, weil ich mich derzeit mit Fraktale und Herrn Mandelbrot beschäftige. Der Aufbau der Kapitel ist spiegelbildlich formuliert: Zuerst "Von der Ordnung zum Chaos", dann der Gipfelpunkt mit dem Kapitel "Auf beiden Seiten", schließlich von dort zurück "Vom Chaos zur Ordnung".
Mir ging es wie vielen anderen Rezensenten: zunächst kann man gut folgen, wie die Wissenschaft sich nur mit den linearen Messungen à la Newton befassen wollte, wo doch Poincaré klar stellte, dass eine schöne Gravitationsgleichung, die nur zwei Himmelskörper einbezieht in ihrer gegenseitigen Wirkung, einen im Universum praktisch nicht vorkommenden Spezialfall darstellt, genauso wenig real, wie ein Foucoult'sche Pendel ewig gleich schwingen kann. Eine Küstenlinie ist so lang, wie der Maßstab, den man an sie anlegt: auf die Spitze oder in jede kleinste Kurve getrieben, wird sie schließlich unendlich lang. Und ein Fehler oder eine Rundung in der 20. Stelle nach dem Komma wird sich aufschaukeln zu einer eklatanten Fehlinterpretation. Der Zeitstrahl - das zeigt die Dynamik von Bifurkationen - ist nicht umkehrbar, es gibt keine zeitliche Linearität, weil es weder im Mikro- noch im Makrokosmos linear zugeht. Oder aber es gibt sich ändernde Gesetze mit der Zeit? Zeit und Raum kamen erst mit dem Urknall in diese Welt als messbare Dimensionen. Und vielleicht ändern sie sich in gegenseitiger Bedingtheit, unterliegen selbst dem Werden von allem?
Im Nachdenken über solche Fragen ist das Buch gut geeignet. Die Einführung von Solitonentunneln und anderer Schnickschnack, das Ziehen von Parallelen auf Planeten-Ebene mit Gaia-Konstrukt Lovelock's, wie auch Prigogine's Untersuchungen zur Thermodynamik, die Ordnung aus dem Chaos von turbulenten Wellen entstehen ließen (sogenannte "Bénard-Zellen"), diese praktischeren Anwendungen der Chaos-Theorie werden manchmal von den Autoren etwas kompliziert oder nicht gut in den Zusammenhang hineingestellt. Selbstorganisation geht aus chaotischen Schwankungen hervor, dabei Ordnung bildend, z.B. beim Lebenszyklus des Schleimpilzes, beim Wachstum von Städten, etc.
Insgesamt für mich - trotz mancher Schwierigkeiten beim Halten des roten Fadens - ein ganz brauchbares Buch zum Reinkommen in die Thematik, auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen. (30.06.10)
Schade: leider nur ein pseudowissenschaftliches Buch von 1988Bewertung 1 von 5.0 Punkten vom 21.03.2008- Ich bin von diesem Buch nach anfänglicher Freude enttäuscht. Dies liegt weniger am ersten Teil des Buches, welcher (von einem populärwissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen) wenig Grund zur Kritik lässt, auch wenn mir dieser Teil für meinen Geschmack etwas zu ungenau und übervereinfacht scheint.
Schlimm wird erst der zweite Teil des Buches. Hier entpuppen sich die Autoren als Anhänger (oder zumindest Bewunderer) des "Gaia"-Kults von Lovelock etc. Während die Autoren im ersten Teil des Buches zwar wertend auftreten, jedoch nie eine kritische Distanz vermissen lassen, wird das Brechen der -so wichtigen- Distanz im zweiten Teil erdrückend. Nachdem sie sich über ein Kapitel lang dem Werk (und der Weltanschauung) Ilya Prigogines widmen, wird die konträre Meinung Heinz Pagels ("[Prigogines Spekulationen bleiben] weiterhin im Zwielicht am Rande der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit" S.223) als "ätzende Kritik" eines "orthodoxe[n] Quantenphysiker[s]"(S.223) diffamiert. Schon hier wird ein Bild des traditionellen, reduktionistischen Wissenschaftlers gezeichnet, der den (quasi-religiösen) "Erleuchtungen" der Chaostheorie nicht folgen kann (oder will). Nachdem "nebenbei" auch noch die Evolutionstheorie auf (für Biologen) lächerliche Weise in Frage gestellt wird, wird dem Leser (und hier klingt die Gaia-Weltanschauung zum ersten Mal an) die "Endosymbionten"-Theorie in der Interpretation von Lynn Margulis (die als Erfinderin der Theorie dargestellt wird) vorgesetzt , auch hier wieder als neue Theorie der Chaosforschung gegen die reduktionistischen Wissenschaftler. Und so spinnt sich der Faden weiter, bis irgenwann dann doch das Wort "Gaia" fällt und das Buch zu einer Generalabrechnung der "ganzheitlichen" Chaosforschung mit den "reduktionistischen" Naturwissenschaften verkommt. Was all dies mit einer "Reise durch die Chaos-Theorie" zu tun hat, ist fraglich.
Dass dieses Buch (in der Originalausgabe von 1988!) trotz dieser eindeutigen Mängel von "dtv Wissen" immer noch vertrieben wird, ist ein Armutszeugnis und dtv nicht würdig.
Das beste Einsteigerbuch ins ChaosBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 22.08.2007- Viele Bücher über Chaos sind entweder zu oberflächlich und weisen nur nette Grafiken oder Platitüden auf oder sind so mathematisch, dass sie der Laie nicht versteht. Nicht so dieses Buch. Geschichte und Entwicklung der Chaosforschung werden anschaulich beschrieben, wie auch die Phänomene, ihre Grundlagen und ebenfalls philosophische Ausblicke.
Das beste Einsteierbuch ins Chaos! Chaos Theorie als WelterklärungBewertung 5 von 5.0 Punkten vom 29.08.2006- Dieses Buch war geeignet, meinen Blick auf die Welt erheblich zu verändern. Dabei geht es mir nicht um den 3. Teil des Buches, den ich für spekulativ und pseudo-religiös halte. Auch muss ich mir eingestehen, dass meine mathematisch - naturwissenschaftliche Ausbildung in der Schule leider nicht immer ausreichte, um das Buch zu verstehen. Aber dennoch: Nach Lektüre des Buches kam ich mir wie alphabetisiert vor. Ich glaube, sehr viele Phänomene deutlich besser zu verstehen zu können. Die Philosophen verlieren ihr Welterklärungsmonopol an die Mathematiker und Physiker.
unbedingt lesen!Bewertung 5 von 5.0 Punkten vom 03.12.2004- zugegeben, im letzten drittel kommt es zu abschweifungen und das lesen bereitet keine mit den vorhergehenden kapiteln vergleichbare freude mehr. dafür handelt es sich um ein exzellent recheriertes und geschriebenes buch. abgesehen von der liebevoll gestalteten aufmachung (idee der thematischen spiegelung an der buchmitte) und den durchweg klaren formulierungen bietet das buch eine menge beispiele aus dem täglichen leben und dem wissenschaftlichen kontext, die die zahlreichen denkanstöße illustrieren und untermauern. jeder der sich mit moderner wissenschaft beschäftigt sollte sein reduktionistisches denken mithilfe dieses buches hinterfragen. mathematische kenntnisse sind nur bedingt voraussetzung, da es oftmals darum geht eine idee bzw. den kern einer sache zu verstehen und nicht die mathematischen zusammenhänge. oftmals werden vergleiche und beispiele herangezogen, die einem den einstieg erleichtern.
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